Selbsttest · 12 Fragen · 3 Minuten

Habe ich ein Lipödem?

Kein Rate-Quiz, sondern die Kriterien, nach denen Ärztinnen und Ärzte tatsächlich vorgehen — entlang der S2k-Leitlinie. Der Test rechnet ausschließlich in Ihrem Browser, speichert nichts und überträgt nichts. Am Ende steht ein Gesprächsleitfaden, den Sie zum Arzttermin mitnehmen können.

Was dieser Test kann — und was nicht. Er kann ordnen, was Sie seit Jahren beobachten, und Ihnen dafür die Begriffe geben, die im Sprechzimmer gebraucht werden. Er kann Ihnen zeigen, welche Ihrer Beobachtungen medizinisch relevant sind und welche nicht.

Er kann keine Diagnose stellen. Das Lipödem wird klinisch diagnostiziert — über Anamnese, Tastbefund, Schmerzprovokation, den Kalibersprung am Knöchel und das Stemmer-Zeichen. Einen Labor- oder Bildgebungstest, der ein Lipödem beweist, gibt es nicht. Was dieser Test leistet, ist deshalb etwas anderes und trotzdem Wertvolles: Er sorgt dafür, dass Sie nicht mit „meine Beine sind dick" ins Gespräch gehen, sondern mit einem geordneten Befund.

Der Test

12 Fragen nach den Leitlinien-Kriterien

Antworten Sie so, wie es für die letzten Monate typisch war — nicht nach dem besten oder schlechtesten Tag. „Weiß nicht" ist eine zulässige Antwort und wird in der Auswertung als offener Punkt geführt, nicht als Nein.

0 von 12 beantwortet

Sind Ihre Beine im Verhältnis zum Oberkörper deutlich kräftiger? Gemeint ist ein Missverhältnis, das auffällt: Konfektionsgröße oben zwei Nummern kleiner als unten, Hosen passen an der Taille nicht, wenn sie am Bein passen.
Sind beide Beine gleichmäßig betroffen? Beim Lipödem ist die Fettvermehrung symmetrisch. Eine einseitige Schwellung spricht eher für eine andere Ursache.
Gibt es einen deutlichen Absatz oberhalb der Knöchel? Der sogenannte Kalibersprung: Das Bein ist kräftig, der Fuß bleibt schlank — die Grenze verläuft wie eine Stufe knapp über dem Knöchel.
Bleiben Ihre Füße und Zehen schlank? Beim Lipödem bleiben Füße und Hände ausgespart. Sind sie mitbetroffen, ist an ein Lymphödem oder eine Kombination beider zu denken.
Tut leichter Druck auf Ober- oder Unterschenkel weh? Nicht Muskelkater, sondern ein Druck- oder Berührungsschmerz — beim Anlehnen, beim Übereinanderschlagen der Beine, beim Streicheln.
Bekommen Sie blaue Flecken ohne erinnerbaren Anstoß? Hämatome, bei denen Sie nicht sagen können, wo sie herkommen — ein typisches Zeichen der erhöhten Kapillarbrüchigkeit beim Lipödem.
Haben Diäten am Rumpf gewirkt, an den Beinen aber nicht? Das klassische Muster: Gesicht, Brust und Bauch werden schmaler, Beine und Arme bleiben unverändert.
Fühlen sich Ihre Beine abends schwer und gespannt an? Ein Schwere- oder Spannungsgefühl, das im Tagesverlauf zunimmt und bei Wärme oder langem Stehen deutlicher wird.
Begann es in einer Phase hormoneller Umstellung? Pubertät, Schwangerschaft, Absetzen oder Beginn hormoneller Verhütung, Wechseljahre — das Lipödem beginnt typischerweise in solchen Phasen.
Gibt es ähnliche Beine in Ihrer Familie? Mutter, Schwester, Tante, Großmutter. Eine familiäre Häufung ist beschrieben und stützt den Verdacht, ohne ihn zu beweisen.
Sind auch Ihre Oberarme betroffen? Bei einem Teil der Betroffenen sind Arme mitbetroffen — symmetrisch, druckschmerzhaft, bei schlanken Händen.
Lässt sich die Haut über dem zweiten Zeh als Falte abheben? Probieren Sie es: Haut über dem zweiten Zehengrundglied zwischen Daumen und Zeigefinger anheben. Gelingt das, ist das Stemmer-Zeichen negativ — typisch für das Lipödem.

Beantworten Sie alle zwölf Fragen — die Auswertung erscheint hier automatisch.

Grundlage der Fragen: die Diagnosekriterien der S2k-Leitlinie Lipödem (AWMF 037-012, Version 5.0, 2024) sowie die Diagnosedefinition der G-BA-Qualitätssicherungs-Richtlinie zur Liposuktion beim Lipödem. Die Gewichtung der Einzelfragen ist eine didaktische Hilfskonstruktion dieser Seite und kein validierter Score — einen validierten Selbsttest für das Lipödem gibt es nicht.

Hintergrund

Warum die Diagnose so oft Jahre dauert

Das Lipödem hat kein Laborzeichen. Es gibt keinen Bluttest, keinen Ultraschall und kein MRT, das es beweist — die Diagnose entsteht aus der Zusammenschau von Beschwerdebild, Tastbefund und Verlauf. Genau das macht sie anfällig für Fehldeutung: Wer mit kräftigen Beinen und der Bitte um Hilfe in eine Praxis kommt, hört statistisch häufiger einen Ernährungsratschlag als eine Verdachtsdiagnose.

Dazu kommt ein zweites Problem. Die drei Krankheitsbilder, die sich äußerlich ähneln — Lipödem, Lymphödem und Adipositas — werden im Alltag ständig verwechselt, obwohl sie sich klinisch klar trennen lassen. Die entscheidenden Unterscheidungsmerkmale sind der Kalibersprung, das Aussparen von Händen und Füßen, der Druckschmerz und das Stemmer-Zeichen. Vier Beobachtungen, die in wenigen Minuten prüfbar sind — wenn jemand danach sucht.

Deshalb ist dieser Test so aufgebaut, wie er aufgebaut ist. Er fragt nicht nach Gefühlen, sondern nach genau den Merkmalen, die im Sprechzimmer zählen. Wer danach zum Termin geht und sagt: „Der Kalibersprung ist da, die Füße sind frei, Druck tut weh, das Stemmer-Zeichen ist negativ" — der wird anders gehört als jemand, der sagt: „Ich nehme an den Beinen nicht ab."

Was die Merkmale medizinisch bedeuten

Kalibersprung: Die Fettgewebsvermehrung beim Lipödem endet abrupt am Knöchel, weil das erkrankte Gewebe anatomisch begrenzt ist. Diese Stufe ist eines der zuverlässigsten Einzelzeichen. Freie Füße und Hände: Beim Lymphödem staut sich Flüssigkeit über das gesamte Abflussgebiet, Zehen und Finger eingeschlossen — beim Lipödem nicht. Druckschmerz: Er entsteht durch Veränderungen im erkrankten Fettgewebe und in seiner Innervation; er ist kein Zeichen von Empfindlichkeit, sondern ein diagnostisches Signal. Hämatomneigung: Sie geht auf eine erhöhte Brüchigkeit kleiner Gefäße im betroffenen Gewebe zurück. Negatives Stemmer-Zeichen: Weil sich beim Lipödem keine Flüssigkeit im Zehenbereich staut, bleibt die Haut dort abhebbar.

Danach

Wie es nach dem Test weitergeht

Wenn der Test einen deutlichen Verdacht ergibt, ist der nächste Schritt eine ärztliche Abklärung — nicht sofort eine Operationsplanung. Wie die Diagnose gestellt wird und welche Fachrichtungen dafür zuständig sind, beschreibt die Seite zu Stadien und Diagnose; worauf Sie bei der Arztwahl achten sollten, steht im Beitrag Den richtigen Lipödem-Arzt finden.

Bestätigt sich die Diagnose, stehen zwei Wege offen, die sich nicht ausschließen. Die konservative Therapie mit Kompression, Lymphdrainage und Bewegung lindert Beschwerden und wird in der Regel zuerst über mehrere Monate konsequent durchgeführt — das ist medizinisch sinnvoll und zugleich Voraussetzung, falls Sie später eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse anstreben. Details dazu im Beitrag Konservative Lipödem-Therapie und unter Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Reicht das nicht aus, ist die Liposuktion derzeit die einzige Behandlung, die am erkrankten Gewebe selbst ansetzt. Was das konkret bedeutet, mit welchen Kosten und wie vielen Sitzungen zu rechnen ist, steht auf der Seite zur Lipödem-OP in Düsseldorf.

Häufige Fragen

Zum Selbsttest

Kann ein Selbsttest ein Lipödem diagnostizieren?

Nein. Ein Selbsttest kann ordnen, worauf Sie achten sollten, und Ihnen für den Arzttermin die richtigen Worte geben. Die Diagnose wird klinisch gestellt: durch Anamnese, Tastbefund, Schmerzprovokation, Beurteilung des Kalibersprungs am Knöchel und das Stemmer-Zeichen. Einen Labor- oder Bildgebungstest, der ein Lipödem beweist, gibt es nicht.

Woran erkenne ich ein Lipödem im Unterschied zu Übergewicht?

Am Missverhältnis und am Schmerz. Beim Lipödem ist die Fettvermehrung auf Beine und häufig Arme beschränkt, während Rumpf, Hände und Füße schlanker bleiben; an Knöchel oder Handgelenk entsteht ein sichtbarer Kalibersprung. Hinzu kommen Druck- und Berührungsschmerz sowie eine ausgeprägte Neigung zu blauen Flecken. Reines Übergewicht verteilt sich gleichmäßiger und tut nicht weh. Ausführlich: Lipödem oder Adipositas.

Was ist das Stemmer-Zeichen?

Ein einfacher Handgriff zur Abgrenzung vom Lymphödem: Man versucht, die Haut über dem zweiten Zehen- oder Fingergrundglied als Falte abzuheben. Gelingt das, ist das Stemmer-Zeichen negativ, was für ein Lipödem typisch ist. Gelingt es nicht, spricht das für ein Lymphödem. Beide können auch gemeinsam auftreten — mehr dazu unter Lipödem oder Lymphödem.

Werden meine Antworten gespeichert?

Nein. Der Test rechnet ausschließlich in Ihrem Browser. Es werden keine Antworten gespeichert, keine Daten an einen Server übertragen und keine Cookies für die Auswertung gesetzt. Wenn Sie die Seite schließen, ist das Ergebnis verschwunden — deshalb gibt es die Möglichkeit, es vorher auszudrucken oder als PDF zu sichern.

Welcher Arzt stellt die Lipödem-Diagnose?

Für die Kassenleistung schreibt der Gemeinsame Bundesausschuss vor, dass die Diagnose durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Innere Medizin und Angiologie, für Physikalische und Rehabilitative Medizin oder für Haut- und Geschlechtskrankheiten gestellt wird. Diagnose und Operation müssen dabei in verschiedenen Händen liegen.

Was mache ich mit dem Ergebnis?

Nehmen Sie es zum Arzttermin mit. Der Test erzeugt am Ende einen Gesprächsleitfaden mit den Punkten, die in Ihrem Fall auffällig waren, und mit den Fragen, die Sie stellen sollten. Das verkürzt das Gespräch und verhindert, dass wichtige Beobachtungen unter Zeitdruck untergehen.

Belege

Quellen

  1. Faerber G et al.: S2k-Leitlinie Lipödem, AWMF-Registernummer 037-012, Version 5.0 vom 22.01.2024, gültig bis 22.01.2029 — Diagnosekriterien und klinische Abgrenzung. register.awmf.org
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie zu Qualitätssicherungsmaßnahmen bei der Liposuktion zur Behandlung des Lipödems — Diagnosedefinition und Facharztgruppen für die Diagnosestellung. g-ba.de/richtlinien/112
  3. WHO: ICD-10-GM, Kode E88.2 — Lipomatose, anderenorts nicht klassifiziert.

Zuletzt medizinisch geprüft von Dr. Nusret Fetai am . Nächste planmäßige Prüfung: .

Der nächste Schritt

Aus einem Verdacht
wird eine Diagnose.

Im persönlichen Erstgespräch ordnet Dr. Fetai Ihren Befund ein — mit Tastbefund, Schmerzprovokation und Stemmer-Zeichen. Bringen Sie Ihren Gesprächsleitfaden mit.

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